Jun
07
2008
2

Etappe 7 – Wenn schon keinen Kater dann wenigstens einen Wolf

Kloster Lehnin – Hohennauen, 7. Juni, 96 km

Trotz bester Partylaune und Freibier habe ich noch rechtzeitig die Notbremse gezogen. So kommt es, dass ich heute rechtschaffend müde aber ohne Brummschädel erwache.
Traugott hatte geplant, dass wir im benachbarten Künstlercafe frühstücken, aber dort ist alles dicht. So gibt es nur ein paar Kekse und Cornflakes, aber wenigstens Kaffee.
Während die Kinder im Klostersee planschen, halten Daniela, Traugott und ich noch ein Pläuschchen. Ich bin träge und kann mich irgendwie kaum aufraffen. Laufen fällt auch schwer, da die Achillessehnen immer noch schmerzen. Das kann ja heiter werden :( .
Aber irgendwann raffe ich mich doch auf und packe meine Plünnen.
Schon kurz nachdem ich losgefahren bin, merke ich, dass es richtig gut läuft. Ich komme flott voran. Obwohl ich noch heftige Schmerzen in den Beinen habe. Auch mein Problem im verlängerten Rücken meldet sich wieder. Da hat mich mittlerweile ganz schön der Wolf gebissen.
Dennoch strample ich Kilometer um Kilometer einfach so weg.
In Jeserig, kurz vor Brandenburg, passiert es dann. Ich lege meinen ersten Sturz der Tour hin. Und was für einen! In flotter Fahrt versuche ich die Schaltung nachzujustieren (die braucht dringend Öl). Dabei verreiße ich den Lenker und lande mit einer Art Kopfsprung im Graben. Bei Tempo 28!
Nachdem ich dort wie eine Bombe eingeschlagen bin, sortiere ich erst mal wieder mich und mein Fahrrad. Ich bin heilfroh, wie üblich, mit Helm gefahren zu sein. Der hat einige Schrammen abbekommen und der Sonnenschirm ist abgebrochen. Da hab’ ich noch mal Schwein gehabt! Ich habe nur einige kleine Schrammen (habe ja inzwischen ausreichend Sturztraining hinter mir). Das Fahrrad ist nur voller Gras und Sand. Sonst nix.
Und weiter! Brandenburg durchfahre ich recht zügig. Hier war ich schon auf Paddelboottour.
Auf schönen, asphaltierten Waldwegen geht es um Breitling- und Möserschen See. Später dann nach Plaue am Plauer See. Ab hier folge ich, mehr oder weniger nahe, dem Lauf der Havel.
Bis Havelsee muss ich allerdings auf der stark befahrenen Landstraße, ohne Radweg, fahren. Kein Vergnügen. Auch im weiteren Verlauf ist dies immer wieder der Fall.
Noch besser wird es zwischen Bahnitz und Jerchel. Ein Betonschwellenweg mit unangenehmen Absätzen. Im Dreiviertelmetertakt werde ich durchgerüttelt. Das ist die Hölle für meinen Hintersten.
In den hat sich mittlerweile ganz böse der Wolf verbissen. Während ich auf dem Sattel von einer Seite zur anderen rutsche, um zumindest ein wenig Linderung zu finden, biege ich um eine Kurve und lande in einem Sandloch. Tolle Routenführung! Zumindest kann ich die letzten 800 m zum Ort auf dem Gras neben dem Weg fahren, sonst hätte ich schieben müssen.
Ich habe über 60 km hinter mir und Hunger, aber in Jerchel gibt es keine Gaststätte. Da muss ich halt weiter suchen. Schon seit dem Morgen ballen sich dunkle Wolken am Himmel und es sieht nach Gewitter aus. Kurz vor Premnitz gerate ich dann auch in einen Platzregen, aber danach bleibt es trocken. Erst in Mögelin (kurz vor Rathenow) finde ich einen Gasthof. Schon in den vorangegangenen Tagen hatte ich immer wieder Probleme einen geöffneten Gasthof zu finden. Ich musste oft weiter fahren, um etwas zu essen zu bekommen. Dann durchfahre ich Rathenow mit seiner schönen Altstadt. Auch hier war ich schon. Somit halte ich mich nicht lange auf.
Über Semlin erreiche ich dann endlich mein Tagesziel – Hohennauen. Auf dem Campingplatz werde ich ausgesprochen nett von dem Betreiberehepaar empfangen, aber auch von den Mücken. Die finden mich wieder mal zum Anbeißen. Immerhin finde ich Erfrischung beim Bad im Hohennauener See.
Nach einem Abendmal im Gasthof “Pille Palle” liege ich nun hier im Zelt, auf der Flucht vor den Mücken, und schreibe meine zwei Tagesberichte.
Es wird aber auch höchste Zeit für den Schlafsack. Mir fallen schon immer wieder die Augen zu. Morgen geht es nach Sandau bei Havelberg. Dort wohnen meine Eltern und ich werde einen Ruhetag einlegen und versuchen meinen Wolf zu besänftigen.

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Jun
06
2008
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Etappe 6 – Der liebenswerte Fläming

Rädigke – Kloster Lehnin, 6. Juni, 67,7 km

Eigentlich sagt die Überschrift schon fast alle, aber ich will mal genauer werden.
Nach einer gemütlichen Zeltnacht dann ein sonniger Morgen. Eigentlich hatte ich nur ein paar Brötchen und etwas Marmelade zum Frühstück haben wollen.
Aber der Platzwart und seine Frau luden Peter und mich gleich mal zum gemütlichen Früstück ein. So kann man locker in den Tag starten. Peter machte sich dann auf in Richtung Potsdam. Er wollte bis nach Polen mit dem Zug fahren. Auch ihn plagen die selben Wehwehchen wie mich. Schmerzen in den Achillessehnen und anderswo …
Der Reporter der “Märkischen Allgemeinen” rief an und bat mich, beim Campingplatz zu bleiben. Damit verschob sich meine Abfahrt noch weiter, aber ich stand ja nicht unter Zeitdruck.
Dann kam der Mann. Viele Fragen stellte er nicht. Dafür legte er sich mächtig beim Fotografieren ins Zeug. Sogar Bilder in Fahrt aus dem fahrenden Auto heraus.
Endlich, halb zwölf, konnte ich los. In Raben traf ich auf das erste Schild zur Tour Brandenburg seit langem. In der folgenden Zeit waren die Schilder recht sporadisch zu finden, aber immerhin etwas.
Der Weg war perfekt. Bester Asphalt durch schönen Wald.
Belzig macht einen sehr gemütlichen und einladenden Eindruck mit seiner schönen Altstadt. Hier konnte ich mir endlich auch mal eine Salbe gegen mein Achillessehnenleiden besorgen.

Über Schwanebeck und Brück kam ich dann in das verträumte Borkwalde. Hier warnte mich schon ein anderer Radler vor dem, was da noch auf mich zukam. Bei Lehnin hatte es einen Unfall gegeben und die Autobahn war gesperrt. Der Verkehr kam nun über die Umgehungsstraße von Lehnin auf mich zu. Die Strecke zwischen Kanin Emstal und Lehnin musste ich auf der Landstraße fahren. Kein Radweg und der Stau … Hölle! Jeder Autofahrer, der in meine Richtung weiterfuhr, musste sich zwischen mir und der Blechlawine durchquetschen. Angst!
Aber es ging nochmal gut. Ich fuhr dann zum Naturcamping am Klostersee und rief erst mal Traugott an, um zu erfahren, wo ich mich hinstellen soll. Der sagte mir, ich müsse zum Strandbad auf der gegenüberliegenden Seite. Sch… Also nochmal um das Wasser!
Dann aber doch noch am richtigen Fleck angekommen. Hier waren schon die Vorbereitungen für das Fest in vollem Gange. Der Tourismusverband Teltow-Fläming und Lehnin gaben hier eine Dankesfeier für die vielen ehrenamtlich Mitwirkenden beim grossen Fläming-Frühlingsfest im April diesen Jahres.
Traugott und Familie kamen auch bald. Und endlich ging es los. Mit abwechselnd Disko- und Livemusik wurde für beste Stimmung gesorgt. Auch Freibier und Grillgut waren genau das richtige für mich und die anderen Gäste.
Ich hatte es mir am Tisch der Freiwilligen Feuerwehren Krahne und Lehnin bequem gemacht. Richtig lustige Truppen.
Mit Bier, Musik und Tanz wurde man bestens unterhalten. Später dann auch noch königlicher Besuch. Die amtierende Flämingkönigin gab Audienz und legte auch eine flotte Sohle auf’s Tanzparkett.
Insgesamt, bei toller Stimmung, ein richtig schöner Abend.
An diesem Tag hat sich mir der Fläming von seiner schönsten menschlichen Seite gezeigt.

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Etappe 6 Tourendaten

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Written by Piet in: Tourenberichte |
Jun
05
2008
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Etappe 5 – Berliner Schnauze und Berge satt

Oehna – Rädigke, 5. Juni, heute mal nur 75 km

Aber wer denkt dies wäre pure Erholung gewesen, der soll sich doch mal das Höhenprofil ansehen.
Nach anfänglich guter und ebener Strecke, ging es dann zunehmend auf Nebenstraßen daher. Und eine Steigung folgte der anderen. Zwar ging es dann meist in Schussfahrt bergab, aber jeder Meter Gefälle wollte hart erarbeitet werden.

Die gestrige Etappe steckt mir auch gehörig in den Knochen. Zu meinen Problemen an den üblichen dafür prädestinierten Stellen, hat sich nun auch noch ein stechender Schmerz in beiden Achillessehnen eingestellt.
Das macht die Sache nicht angenehmer. Da muss ich nun mal durch. Hab ich mir so ausgesucht.
Die Tour macht einen Schlenker nach Treuenbrietzen. Zumindest unter der Woche ist hier aber nicht viel los.
Auch in Lüdenhof und Feldheim hat alles dicht und die Mittagsrast muss weiter warten. Erst in Marzahna finde ich einen geöffneten Gasthof. Aber dieses Etablissement macht auch bei der zweiten Vorbeifahrt nur noch einen schlechteren Eindruck. Meine Güte. Das erinnert mich an Peru.
Da geh ich nicht rein!
Als ich um die Ecke biege stehe ich vor dem Gasthof “Zur goldenen Krone”. Das sieht schon besser aus! Ich wuchte mein Rad die drei Stufen zum Biergarten hoch und werde gleich von der Kellnerin im breitesten Berliner Dialekt begrüßt “Watt’, mit n Fahrrad?”. Ich mache ihr klar, dass ich es so nicht auf der Strasse stehen lasse und ich keine Lust habe, alle Taschen abzubauen. Sie daraufhin “Na denn, mach an n Boom”. Ich “mache” nicht an den Baum (mitten im Biergarten ts,ts,ts), sondern stelle das Fahrrad dort hin. Sie scheint besänftigt. Ich bestelle und es gibt eine sehr gute Soljanka und Gulasch mit Klößen. Muss mich ja auch mal belohnen.
Inzwischen trudeln zwei weitere Radler ein, die aber perfekt ausländisch sprechen. Damit ist die Kellnerin überfordert. Bier bekommt sie noch auf die Reihe, aber bei der Essensbestellung kommt sie nicht mehr mit. “Det mit n englischen is nich so mein Ding.” Ich greife ein. Die müssen doch schließlich gestärkt werden. Es stellt sich heraus das die beiden Italiener sind. Mit einem Anglo- Italo- Sprachmix schaffe ich es dann den beiden Bratwurst und Bratkartoffeln zu ordern. Die Kellnerin ist zufrieden und zieht mit den Worten “Mir wern det Kind schon schaukeln” ab in die Küche.
Inzwischen ruft mich Traugott an, um mir mitzuteilen, dass ich morgen in Belzig einen weiteren Pressetermin habe. Kann ja heiter werden. Außerdem lädt er mich zu einem großen Fest im Kloster Lehnin ein, welches morgen stattfindet.
Das heißt, morgen nur 50 km.
Meine Achillessehnen stimmen dem begeistert zu. Ich kalkuliere schnell die Etappen durch und stelle fest, dass es auch gut zu planen ist. Also warum nicht!? Ich sage zu.
Ich kämpfe mich weiter bergauf und bergab und erreiche bei Garrey tatsächlich 178 m. Immer wieder komme ich durch kleine Dörfer. Meine Hoffnung auf einen Laden oder Supermarkt wird enttäuscht. Einige Kleinigkeiten bräuchte ich schon. Hier ist aber nichts zu holen.
Kurz vor Raben beschließe ich den Schlenker und die Höhenmeter zur Burg Rabenstein mitzunehmen. Dort war ich schon zu einer Klassenfahrt in der Jugendherberge. Inzwischen hat sich eine Menge getan. Die Jugendherberge gibt es noch und an der Burg ist viel gemacht worden. Auch eine Gaststätte gibt es jetzt. Ich teste gleich mal die Soljanka und bin sehr zufrieden mit dem Resultat. Nun ist es nur noch ein Katzensprung nach Rädigke. Der Zeltplatz dort ist unglaublich gemütlich und klein. Der Inhaber nebst Frau sitzt gerade beim Kaffee vor seinem Wohnwagen. Ganz gelassen werde ich begrüßt. “Geh doch einfach da hoch zu der blauen Sitzgruppe, bau schon mal dein Zelt auf. Die sanitären Anlagen sind dort. Lass es dir schon mal gut gehen.” Na, wenn das nicht einladend ist. Etwas später kommt noch ein einzelner Radler daher. Es ist Peter aus Belgien. Der Junge ist noch verrückter als ich. Er will von Belgien nach St. Petersburg radeln, aber auch er hat seine Probleme. Die 100 km pro Tag die er sich vorgenommen hat, sind auf Dauer zu viel. Immerhin hat er schon 800 geschafft. 800 von 3300. Er wird aber abkürzen und fährt morgen mit dem Zug zur polnischen Grenze. Der Bursche hat extra ein Jahr Russischunterricht genommen. Wir radeln noch gemeinsam nach Raben und speisen beim Hemmelwirt. Wir unterhalten uns angeregt über unsere Reisen und Erlebnisse und fachsimpeln über Radtouren etc..
Ein richtig netter Abend. Und so wird es heute wieder spät mit meinem Bericht.

Ich hab dem Ganzen mal ein Bild meines Flugzeugcockpits beigefügt. Sieht schon arg overequipped aus. :)

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Written by Piet in: Allgemeines |
Jun
05
2008
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Etappe 4 – München liegt nicht in Bayern!?

Zeischa – Oehna, 4. Juni, heute mal eben 135 km

Das Gewitter hatte ganze Arbeit geleistet. Immerhin hatte ich für fast zwei Stunden moderate Temperaturen. Wieder ging es entlang der Schwarzen Elster, durch Bad Liebenwerda und dann die Überraschung. Ich war in München! München liegt gar nicht in Bayern. Und ein Oktoberfest gibt es hier auch. Aber ich war zu früh dran.
Kurz hinter Herzberg war der Weg durch einen umgestürzten Baum blockiert. Das Gewitter muss hier heftig gewesen sein. Die steile Deichböschung runter und wieder rauf, um das Hindernis zu umgehen, war schon ziemlich anstrengend. Für die Mühe entlohnte mich aber die Landschaft. Ein Stück weiter lag dann tatsächlich ein Fuchs auf dem Asphalt. Der war nicht etwa tot. Nein der Faulpelz sonnte sich nur. Als ich näher kam verzog er sich ins Gebüsch.
Kurz hinter Bernsdorf bemerke ich dann, dass ich mich auf dem Fläming-Skate befinde, als ich an einer der typisch urigen Schutzhütten vorbeikam. Ab jetzt radele ich auf perfekt ausgebauten Wegen. Aber leider ohne Beschilderung! Lediglich die Skaterstrecken sind bezeichnet, für mich als Radler ist das nutzlos. Ich bin heilfroh das GPS zu haben. Der Bikeline-Führer hat immer wieder Abweichungen. Aber auch die GPS-Daten führen nicht immer in die richtige Richtung. Also Augen auf und aufgepasst.
Ich rufe meinen Bergspezi Traugott an, um ihm mitzuteilen, dass ich in seinem “Einzugsbereich” bin. Er ist Geschäftsführer des Fremdenverkehrsverbands Teltow-Fläming und wittert gleich die Chance. Ein Radler, der die TourBB fährt, auf dem Fläming-Skate. Und ehe ich es mich versehe habe ich einen Interviewtermin und werde in Luckenwalde am Einstiegspunkt zum RK1 von einer Reporterin der “Märkischen Allgemeine” erwartet. Eine ganze Menge Fragen und einige Photos. Übermorgen bin ich berühmt, oder zumindest in der Zeitung. Was für eine Wende.

Ich war mir ja zu Beginn der Etappe nicht sicher, ob ich über Luckenwalde hinaus komme. Habe inzwischen immerhin 105 km geschafft und es läuft ausgesprochen gut. Trotz der Hitze bin ich flott unterwegs.
So ist es klar, dass ich noch nach Oehna weiterfahre. Dennoch wird es höchste Zeit, dass ich aus dem Sattel komme. Nur kurz drohe ich am Erlebnishof Werder der Versuchung zu erliegen, mir ein Zimmer zu nehmen. Nein. Ich ziehe das durch.
Jüterbog passiere ich im Eiltempo. Eigentlich Schade. Es gibt einiges zu sehen. In Kolzenburg führt mich das GPS mal wieder voll in die Irre. Da hilft nur noch umdrehen und suchen. Und dann komme ich doch noch auf dem Campingplatz Oehna an.
Auf den ersten Blick schon sehr einladend. Gemütlich. Noch ein angenehmer Plausch mit dem Chef von’s Janze, dann mache ich mich an die Arbeit. Es gilt die Berichte von drei Tagen nachzuholen. So hacke ich wie wild auf dem Daumenkino herum.
Aber jetzt reicht es auch!

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Written by Piet in: Tourenberichte |

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