Jun
11
2008
1

Etappe 10 – Wetter, Wetter, Wetter!

Lenzen (Elbe) – Glambecksee bei Sewekow, 11. Juni, 111 km

Die Nacht war ganz schön kalt. Der dünne Schlafsack konnte das nicht abhalten. Mit der Gore Tex Jacke, als Überdecke, ging es dann und mir wurde doch noch etwas wärmer.
Der Wind wehte immer noch heftig und in Böen. Noch sah der Himmel erstaunlich gut aus. Bevor ich mich auf die Reise mache, stelle ich nochmal meinen Gynäkologensattel richtig ein.
Gestern hatte ich schon befürchtet, mir ein neues Problem angeschafft zu haben, aber mit der richtigen Einstellung sitze ich jetzt sehr gut. Die wunden Stellen sind alle entlastet. Zwar drückt es jetzt woanders, aber das ist nicht ansatzweise so schlimm.
Schon auf den ersten Kilometern merke ich, dass der Wind, der mich gestern aufgrund meines schlechten CW-Wertes behinderte, mir heute sogar zeitweise hilft.
Nicht nur deswegen, sondern auch wegen der auf der gesamten Etappe fast durchgehend sehr guten Asphalt- und Betonstrassen, komme ich zügig voran.
Perleberg, als erste der drei Städte an der heutigen Strecke, ist schnell erreicht.
Allerdings hat schon auf dem Weg hierher das GPSMap60CX angefangen zu spinnen, da es immer wieder ausgeht (schon gestern trat das Problem kurz vor Ende der Etappe mehrmals auf). Da ich befürchte, dass es an den Batterien des großen A-Markendiscounters liegt, stürme ich den erst besten Supermarkt und besorge mir andere .
Zunächst bringt das auch nichts, aber irgendwann entschließt sich das Gerät, doch wieder zu funktionieren. In solchen Momenten bin ich froh, zwei Geräte am Laufen zu haben. Später kann ich so zu Hause die Lücken mit den Daten des Colorado füllen. Schließlich möchte ich die TourBB möglichst komplett dokumentieren.
Ich drehe eine kleine Runde in Perleberg und entdecke den Marktplatz mit Rathaus und Roland. Am besten finde ich jedoch den Fahrradladen. Hier kann ich die Misere mit den feuchten Händen beenden, indem ich ein Paar preiswerte und bequeme Radlhandschuhe erstehe. Im allgemeinen ist heute auf den Landstraßen, die ich befahre, sehr wenig Verkehr. Dafür umso mehr am Himmel. Der Wind schiebt Unmengen an Wolken hin und her und es braut sich ganz bedrohlich was zusammen. Überhaupt fällt mir auf, dass ich keinen einzigen Radwanderer mehr sehe, seit ich den Elberadweg hinter mir gelassen habe.
Als ich in Pritzwalk einfahre, meldet sich mein Magen. Ich habe jetzt schon 67 km hinter mir und es wird Zeit für eine Mittagspause. Inzwischen hat sich der Himmel wieder fast blau gefärbt (verrücktes Wetter). Nur kurz hinter Pritzwalk liegt ein einladendes Hotel mit Terrasse. Hier mache ich es mir bei Sonnenschein gemütlich. Kaum steht die Soljanka auf dem Tisch, braut sich wieder was zusammen und es fängt an heftig zu regnen. Da Sonnenschirme auch gegen Regen gut sein können, stört mich das (noch) nicht. Ewig kann ich jedoch nicht hier bleiben. Also fahre ich im Regen weiter. Der ist jetzt von solcher Intensität, dass es zum trocken bleiben zu viel, aber für die unangenehmen Regensachen zu wenig ist. Die Temperatur ist mittlerweile von 21 auf 16 Grad gefallen. Schafskälte. Schon vor Heiligengrabe zieht es wieder auf und ich kann bei Sonnenschein durch den Garten des Kloster Stifts flanieren.
Auf den letzten fünf Kilometern vor Wittstock muss ich dann auf der überfüllten B189 fahren. Eigentlich sollte der Radweg Ende 2007 fertig sein. Man werkelt immer noch daran. Es sieht aber danach aus, als ob er bald fertig gestellt wird. Pech gehabt.
Irgendwann ist auch dies vorbei und ich radle durch den Stadtpark von Wittstock an der Stadtmauer entlang. Ich halte mich aber nicht lange auf, da inzwischen der Campingplatz zieht.
Berlinchen ist recht bald erreicht. Ich suche einen Hinweis auf das Camping. Ein kleines Schild gibt 2,5 km an und zeigt in Richtung einer Kreuzung mit drei Wegen. Wünsch dir was. Oder wie jetzt?
Endlich kommt ein älterer Herr angeradelt und erklärt mir, dies sei ein kleines Naturcamping vom Segelflugplatz. Der richtige ist am Glambecksee bei Sewekow. Wieder weiter. 🙁
Auf halber Strecke nach Sewekow kommt endlich das ersehnte Hinweisschild. Nur 3 km nach links. Nix wie hin. Auf dem Platz werde ich ausgesprochen freundlich empfangen und richte mich gleich erst mal häuslich ein. Inzwischen ist das Wetter völlig konfus und bei heftigen Windböen wechseln sich Sonne und Regenschauer ständig ab.

Nur noch drei je ca. 80 km Etappen!
Dann habe ich es geschafft :))

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Geschwindigkeits Profil
Etappe 10 Tourendaten

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Written by Piet in: Tourenberichte |
Jun
10
2008
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Etappe 9 – Vom Winde verweht

Sandau (Elbe) – Lenzen (Elbe), 10. Juni, 78 km

Es wurde aber auch Zeit. Bevor ich der Trägheit anheim falle, muss ich mich wieder auf den Weg machen.

Ich radle wieder!
Ab Havelberg folge ich dem Elbe-Radweg und bin schon mal überrascht wie viele Radfahrer hier auf Achse sind. Auf der TourBB ging es ja sehr beschaulich zu.
Leider stelle ich fest, dass Christians Prognose (siehe Kommentare) nicht eintritt. Der Wind kommt jetzt aus Nordwesten. Ich habe ihn nun ständig direkt oder schräg von vorn, das auch noch in heftigen Böen. Der Weg verläuft oben auf der Deichkrone, so hat man keinerlei Windschutz. Zeitweise motore ich im niedrigen Gang mit 14-18 km/h mühsam dagegen an.
Kurz vor Rühstädt treffe ich auf die Mündung der Havel in die Elbe. Nur wenig früher, kann ich einen der alten Elbfischer bei der Arbeit beobachten.
Überhaupt sind die Elbauen sehr sehenswert, ein lohnendes Ziel.
Als weitere Motivation kann ich mir im Storchendorf Rühstädt die Alt- und Jungstörche ansehen. Nur 2 km später stehen zwei Störche gerade mal 2 m neben mir am Straßenrand. Ich will sie aber nicht verschrecken und verzichte auf einen Stop zum Fotografieren.
Durch Wittenberge macht der Radweg einen kleinen Schlenker in die Altstadt, um dann beim stilvollen Nobelrestaurant „Kranhaus“ wieder auf den Elbdeich zu stoßen. Ab hier verlasse ich die Deichkrone, verzichte auf die herrliche Aussicht in die Elbauen und zur Elbe, um auf der tiefer liegenden Deichverteidigungsstrasse zu fahren. Dort habe ich wenigstens etwas Schutz vor dem Wind. Bei Lütkenwisch (nur noch knapp 20 km zum Ziel) gönne ich mir eine Pause im gemütlichen „Cafe am Deich“. Mit einem gemischten Trio vom Niederrhein entspinnt sich ein anregendes Gespräch. Die drei sind überrascht wie wenig hier auf dem Elberadweg los ist. So unterschiedlich können die Ansichten sein.
Als ich dann so weiterfahre, stelle ich etwa 3 km später fest, dass meine Handschuhe fehlen (warum sind nur meine Hände so feucht?!). Nö. Zurück fahre ich jetzt nicht mehr!
Kurz vor Lenzen verbannt mich ein Hinweisschild auf eine Umleitung über Wustrow. Kein Umweg, aber eben nicht der Originalweg, den ich ja aufzeichnen möchte.
Auf der Landstrasse passieren mich immer wieder Traktorgespanne, in irrsinnigem Tempo, mit zwei prall vollen Anhängern deren letzter jedes mal wie wild hin und her schleudert. Ich bin heilfroh, wenn die Höllenmaschinen an mir vorbei sind.
Lenzen zeigt mir seine Altstadt mit den Fachwerkklinkerbauten und den engen Gassen.
Nun habe ich den Wind von hinten und die letzten 5 km zum Camping am Rudowsee sind schnell geschafft. Auf diesem schönen und gepflegten Platz war ich schon zweimal und fühle ich mich fast schon ein wenig zu Hause.
Wieder treffe ich auf interessante Leute. Da ist der ältere Herr aus Berlin, der mit dem Fahrrad nach Hamburg und zurück nach Berlin fährt, um seinen Sohn zu besuchen und um einfach mal zu sehen, ob er das kann. Er kann es nicht nur. Es macht ihm sogar Lust auf mehr solche langen Touren.
Da sind die beiden Kerls aus Erfurt, die dem Lauf von Unstrut, Saale und Elbe bis Hamburg folgen. Auch mal eine etwas andere Radtour.
Wir unterhalten uns rege, ausgiebig und lustig.
So wird es auch heute wieder spät mit dem Tagesbericht. 🙁

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Geschwindigkeits Profil
Etappe 9 Tourendaten

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Written by Piet in: Tourenberichte |
Jun
09
2008
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Ruhe-, Putz- und Flicktag

Ruhetag in Sandau, 9. Juni, 0,00 km!

Muss ja auch mal sein!
Aber so ganz gebe ich mich dem Müßiggang nicht hin. Fahrrad putzen und ölen. Schaltung justieren (endlich habe ich wieder alle Gänge am Rad). In Havelberg (standesgemäß von Daddy chauffiert) habe ich dann auch gleich noch ’ne neue Sitzgelegenheit erworben. Ich nenne ihn mal den Gynäkologensattel (siehe Bild, unschwer an der Öffnung zu erkennen). Ich hoffe, dass ich damit etwas weniger Probleme habe. Nicht dass ich in Strausberg auf meinem Ross wie John Wayne einreite und dann einen ebenso breitbeinigen Gang habe 🙂 .
Und etwas ganz luxuriöses ist es ja, wenn man, ganz wie früher, die Wäsche von Muttern gewaschen bekommt. Gutes Essen und viel Ruhe (ist ja auch brütend heiß).
Eben Ruuuhetag …

Ach ja, und am Rande noch das. Offenbar macht meine Seite die Runde und wird nach und nach bekannt im Netz.

Bericht auf Berlin-Bookmarks.de

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Written by Piet in: Tourenberichte |
Jun
08
2008
4

Etappe 8 – Wassersuppe und futtern bei Muttern

Hohennauen – Sandau (Elbe), 8. Juni, 57 km

Brötchen sind auf dem Campingplatz nicht zu bekommen und so richtig ist auch sonst nichts mehr im Proviantsack. Die Alternative fürs Frühstück wäre der Gasthof „Schwarzer Adler“. Aber im Angesicht der lediglich 57 km zum Ziel, entscheide ich mich, einfach das Frühstück auszulassen. Also rauf auf den Drahtesel und ab die Post.
Auf wenig befahrenen Asphaltstraßen geht die Tour weiter. Kurz vor Wassersuppe (ja der Ort heißt wirklich so) landet nur fünf Meter neben mir am Feldrand ein Habicht mit seiner Beute in den Klauen. Unglaublich! Aber noch bevor ich die Kamera bereit habe, hat er mich erspäht und fliegt weiter.
Überhaupt bekomme ich heute jede Menge lebendige Natur geboten. Mehrmals erschrecke ich, wenn ein Reh im Feld oder Wald neben mir aufspringt, weil es sich durch mich gestört fühlt.
Auf gut asphaltierten Straßen bzw. guten Betonwegen, geht es voran. Immer wieder führt mich die Tour durch kleine Dörfchen. Bei Stölln ist reger Segelflugbetrieb. Hier liegt ja auch die Wiege der Luftfahrt. Otto Lilienthal hat an dieser Stelle seine Flugversuche unternommen und heute befindet sich hier auch das Lilienthal-Museum in einer IL-62 der ehemaligen Interflug. Es sieht schon ein wenig merkwürdig aus, wie der große Vogel da so auf dem Acker steht. Ich war schon mehrfach in Stölln und so lasse ich das Ganze rechts liegen, ärgere mich aber später doch, dass ich den Jet nicht fotografiert habe.
Inzwischen knurrt mein Magen doch gehörig und es kostet mich einiges an Überwindung, am Gasthof „Zum 1. Flieger“ vorbeizufahren. Auch später muss ich mich mit der Aussicht auf gutes Essen bei Muttern motivieren, um nicht irgendwo einzukehren.
Hinter Rhinow geht es dann, in weitem Bogen und auf holprigen Betonplattenwegen in die idyllischen Havelauen. Auch hier wieder viel Natur und allerlei Vögel. Das entschädigt wieder etwas für die schlechten Wege.
Ab Strodehne ist Schluss mit lustig. Auf einer viel befahrenen Landstraße muss ich mich jetzt bewegen. Da kommt eher keine Freude auf. Wenigstens komme ich so schnell voran.
Kurz hinter Jederitz steht ein Biker neben seiner Chopper am Straßenrand und blättert, scheinbar hilflos, in seinen Karten. Mich überkommt mal wieder mein Helfersyndrom und ich halte an, um ihm Hilfe anzubieten. Schließlich kenne ich die Gegend mittlerweile recht gut. Er sagt, dass alles okay wäre und so radel ich weiter. Etwas später überholt er mich hupend und grüßend. Allerdings ist er jetzt nicht mehr allein auf dem Bike. Alles klar, seine Motorbiene brauchte nur mal ’ne Pause im Gebüsch. Da hätte ich wirklich nicht helfen können. 🙂 🙂
Endlich erreiche ich Havelberg und setze zum Endspurt an. Es ist kurz vor zwölf und es gilt, pünktlich zum Essen zu sein. Sechs nach zwölf schlage ich dann in Sandau, bei meinen Eltern, auf. Genau richtig zum Mittagessen. Der Tisch ist auch schon gedeckt. Meine Schwester nebst Mann und Kindern ist auch da und so ist das Familientreffen fast perfekt. Mein Körper schaltet schlagartig auf „Ich lass es mir jetzt mal gut gehen“ und ich genieße das gute Essen und die nette Gesellschaft.
Später suche ich mir dann in dem reichhaltigen Fahrradfundus meiner Eltern einen breiteren und bequemeren Sattel, um ihn auf mein Rad zu schrauben. Morgen werde ich nochmal in Havelberg schauen, ob ich etwas noch gesäßschonenderes finde.

Gerade stelle ich fest, dass mein Smartphone kein einziges der heute aufgenommenen Bilder gespeichert hat. Wollte einfach mal die Speicherkarte nicht mehr erkennen. Sch… Tolle Neuerwerbung.

Insgesamt bin ich jetzt ca. 743 km gefahren und habe mir und meinem Allerwertesten einen Ruhetag verdient.

Höhenprofil
Geschwindigkeits Profil
Etappe 8 Tourendaten

Written by Piet in: Tourenberichte |

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