Hohennauen – Sandau (Elbe), 8. Juni, 57 km
Brötchen sind auf dem Campingplatz nicht zu bekommen und so richtig ist auch sonst nichts mehr im Proviantsack. Die Alternative fürs Frühstück wäre der Gasthof “Schwarzer Adler”. Aber im Angesicht der lediglich 57 km zum Ziel, entscheide ich mich, einfach das Frühstück auszulassen. Also rauf auf den Drahtesel und ab die Post.
Auf wenig befahrenen Asphaltstraßen geht die Tour weiter. Kurz vor Wassersuppe (ja der Ort heißt wirklich so) landet nur fünf Meter neben mir am Feldrand ein Habicht mit seiner Beute in den Klauen. Unglaublich! Aber noch bevor ich die Kamera bereit habe, hat er mich erspäht und fliegt weiter.
Überhaupt bekomme ich heute jede Menge lebendige Natur geboten. Mehrmals erschrecke ich, wenn ein Reh im Feld oder Wald neben mir aufspringt, weil es sich durch mich gestört fühlt.
Auf gut asphaltierten Straßen bzw. guten Betonwegen, geht es voran. Immer wieder führt mich die Tour durch kleine Dörfchen. Bei Stölln ist reger Segelflugbetrieb. Hier liegt ja auch die Wiege der Luftfahrt. Otto Lilienthal hat an dieser Stelle seine Flugversuche unternommen und heute befindet sich hier auch das Lilienthal-Museum in einer IL-62 der ehemaligen Interflug. Es sieht schon ein wenig merkwürdig aus, wie der große Vogel da so auf dem Acker steht. Ich war schon mehrfach in Stölln und so lasse ich das Ganze rechts liegen, ärgere mich aber später doch, dass ich den Jet nicht fotografiert habe.
Inzwischen knurrt mein Magen doch gehörig und es kostet mich einiges an Überwindung, am Gasthof “Zum 1. Flieger” vorbeizufahren. Auch später muss ich mich mit der Aussicht auf gutes Essen bei Muttern motivieren, um nicht irgendwo einzukehren.
Hinter Rhinow geht es dann, in weitem Bogen und auf holprigen Betonplattenwegen in die idyllischen Havelauen. Auch hier wieder viel Natur und allerlei Vögel. Das entschädigt wieder etwas für die schlechten Wege.
Ab Strodehne ist Schluss mit lustig. Auf einer viel befahrenen Landstraße muss ich mich jetzt bewegen. Da kommt eher keine Freude auf. Wenigstens komme ich so schnell voran.
Kurz hinter Jederitz steht ein Biker neben seiner Chopper am Straßenrand und blättert, scheinbar hilflos, in seinen Karten. Mich überkommt mal wieder mein Helfersyndrom und ich halte an, um ihm Hilfe anzubieten. Schließlich kenne ich die Gegend mittlerweile recht gut. Er sagt, dass alles okay wäre und so radel ich weiter. Etwas später überholt er mich hupend und grüßend. Allerdings ist er jetzt nicht mehr allein auf dem Bike. Alles klar, seine Motorbiene brauchte nur mal ‘ne Pause im Gebüsch. Da hätte ich wirklich nicht helfen können.

Endlich erreiche ich Havelberg und setze zum Endspurt an. Es ist kurz vor zwölf und es gilt, pünktlich zum Essen zu sein. Sechs nach zwölf schlage ich dann in Sandau, bei meinen Eltern, auf. Genau richtig zum Mittagessen. Der Tisch ist auch schon gedeckt. Meine Schwester nebst Mann und Kindern ist auch da und so ist das Familientreffen fast perfekt. Mein Körper schaltet schlagartig auf “Ich lass es mir jetzt mal gut gehen” und ich genieße das gute Essen und die nette Gesellschaft.
Später suche ich mir dann in dem reichhaltigen Fahrradfundus meiner Eltern einen breiteren und bequemeren Sattel, um ihn auf mein Rad zu schrauben. Morgen werde ich nochmal in Havelberg schauen, ob ich etwas noch gesäßschonenderes finde.
Gerade stelle ich fest, dass mein Smartphone kein einziges der heute aufgenommenen Bilder gespeichert hat. Wollte einfach mal die Speicherkarte nicht mehr erkennen. Sch… Tolle Neuerwerbung.
Insgesamt bin ich jetzt ca. 743 km gefahren und habe mir und meinem Allerwertesten einen Ruhetag verdient.


Etappe 8 Tourendaten